Was ist Palmöl & wo kommt es her? 

Palmöl bzw. Palmfett wird aus dem rötlichen Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme gewonnen. Ölpalmen gedeihen vor allem in tropischen Gebieten, Hauptanbaugebiete sind Indonesien und Malaysia. Über die letzten Jahrzehnte sind riesige Palmölplantagen entstanden auf denen die Palmfrüchte das ganze Jahr über angebaut und geerntet werden können. 


Wieso ist Palmöl so beliebt? 

Die Ölpalme ist eine sehr ertragreiche Pflanze. Sie liefert bei gleicher Anbaufläche die fünffache Menge Öl im Vergleich zu Raps, Sonnenblume und Soja. Außerdem ist das Palmöl ein sehr vielfältiges Fett: Es ist hitzestabil, lange haltbar, geschmacksneutral und bei Zimmertemperatur streichfest und cremig. Kein Wunder also, dass es in der Lebensmittelindustrie aufgrund dieser zahlreichen positiven Eigenschaften super beliebt ist.


Welche Produkte beinhalten Palmöl? 

Wie bereits im vorherigen Abschnitt erwähnt, besitzt Palmöl zahlreiche positive Eigenschaften, die es für die Produktion von Lebensmitteln so beliebt macht. In jedem zweiten Lebensmittel befindet sich inzwischen das beliebte Öl. Fertiggereichte, Schokolade, Kekse, Brotaufstriche wie z.B. Nutella, Tütensuppen, Butter sowie Babynahrung - dies sind nur ein paar der Produkte, in denen sich Palmöl versteckt und die wir täglich konsumieren. Palmöl befindet sich auch in weiteren Produkten fernab der Lebensmittelindustrie, z.B. in Biosprit, Cremes, Lippenstiften, Waschmitteln und Shampoos


Warum sollten wir unseren Palmölkonsum reduzieren? 

Du fragst dich jetzt bestimmt, warum wir unbedingt unseren Palmölkonsum stark reduzieren sollten, obwohl es doch so viele Vorteile hat? Leider bringen Anbau, Produktion und Konsum von Palmöl viele gravierende Nachteile mit sich. 

Gesundheitliche Folgen 
  • Unbehandeltes oder kaltgepresstes Palmöl ist nicht schädlich 
  • durch die bei der industriellen Verarbeitung des Palmöls verwendete hohe Hitze können jedoch, im Vergleich zu anderen Pflanzenölen, große Mengen an Fettschadstoffen entstehen und die wertvollen und guten Inhaltsstoffe gehen verloren 
Ökologische Folgen 
  • weltweite Verdopplung der Anbaufläche für Ölpalmen seit 1990, in Indonesien sogar Verzehnfachung 
  • Rodung in Form von Brandrodung von Regenwaldfläche für die Erschließung neuer Plantagen, führen zur Entstehung großer Mengen Treibhausgase (CO2)
  • Ölpalmen können weniger CO2 speichern als Pflanzen der Mischkulturen natürlicher Regenwälder 
  • Förderung von Erderwärmung und Klimawandel Tiere, wie Orang-Utans, Gibbons und Elefanten, die in den artenreichen Regenwäldern beheimatet sind, verlieren ihren Lebensraum und werden durch die Rodung bedroht, folglich kommt es zu einem Rückgang der Artenvielfalt. 
Soziale Folgen 
  • Menschenrechtsverletzungen, Landkonflikte und soziale Missstände auf den Plantagen gehen oft mit dem Anbau von Ölpalmen einher 
  • große Produktionsmengen der Industriekonzerne führen zu sinkenden Weltmarktpreisen, Kleinbauern, für die die Palmölproduktion eine wichtige Einnahmequelle darstellt, sind somit nicht mehr wettbewerbsfähig 
  • Indigene Völker werden vertrieben und verlieren ihre Lebensgrundlage 
  • der Einsatz gefährlicher Pestizide birgt gerade für die Arbeiter und Einwohner große gesundheitliche Risiken 

Wie erkennen wir Palmöl in Lebensmitteln & was können wir tun, um unseren Palmölbedarf zu reduzieren & nachhaltiger zu leben? 

Wie du vielleicht schon einmal mitbekommen hast, wurden bereits zahlreiche Nachhaltigkeitsstandards und freiwillige Zertifizierungssysteme erstellt, um den sozialen und ökologischen Auswirkungen des Palmölanbaus entgegen zu wirken. Um es dir in dem „Siegel-Dschungel“ etwas einfacher zu machen, möchte ich dir hier zwei Siegel vorstellen sowie die Vor- und Nachteile von Bio-Palmöl kurz erläutern und dir zudem ein paar Tipps mit an die Hand geben, wie du bewusster mit deinem Palmölkonsum umgehen kannst. 

Das RSPO-Siegel (Roundtable on Sustainable Palm Oil) 
  • 2004 vom WWF gegründet 
  • Alle Mitglieder des RSPO sind selbst entlang der gesamten Lieferkette der Palmölproduktion tätig 
  • gilt heute als der am meisten verbreitete Standard in Bezug auf die Palmölproduktion 
  • kein Öko-Label, signalisiert jedoch, dass auf den Ölpalmenplantagen freiwillig mehr für Menschenrechte und Naturschutz getan wird, als gesetzlich vorgeschrieben ist 

Es gibt viel Kritik an dem Siegel, da Rodung der Regenwälder (Ausnahme: „besonders geschützte“ Wälder) nicht verboten, Einsatz von Pestiziden weiter erlaubt ist und die Einhaltung der Regeln oft nicht kontrolliert wird. Auch Menschenrechte werden teilweise weiterhin von Plantagenbesitzern missachtet. 

Das POIG-Siegel (Palm Oil Innovation Group) 
  • gegründet im Jahr 2013 
  • Aufbau auf Prinzipien und Kriterien des RSPO und Erweiterung dieser um ökologische und soziale Anforderungen 
  • Umweltschutzorganisationen wie Orang-Utan Land Trust und Greenpeace People sowie Unternehmen wie L´Oreal und Ferrero zählen zu den Mitgliedern 
  • Artenschutz nicht nur auf Plantagen, auch in der Landschaft
  • strengere Richtlinien in Bezug auf die Nutzung gefährlicher Pestizide sowie dem nachhaltigeren Einsatz von Düngemitteln 
  • kohlenstoffreiche Torfflächen werden renaturiert, besonders kohlenstoffhaltige Flächen dürfen für den Anbau von Ölpalmen nicht mehr erschlossen werden 
  • unabhängige Kleinbauern werden im nachhaltigen Anbau unterstützt, es gibt Renten- und Sozialversicherungen für die Arbeiter 
Bio-Palmöl 
  • Anbau der Ölpalmen auf bereits schon zuvor landwirtschaftlich genutzten Flächen  
  • Kein Einsatz von Pestiziden 
  • Teilweise Übernahme sozialer Verantwortung von Bio-Palmöl-Produzenten für Mitarbeiter und Kleinbauern 

Wie auch schon beim RSPO-Siegel gibt es auch Kritik am Bio-Palmöl: Waldrodungen werden nicht komplett ausgeschlossen, Plantagengrößen sind nicht begrenzt, Arbeiter werden auch hier oft nicht fair bezahlt und behandelt und auch Bio-Produzenten sind oft an Menschenrechtsverletzungen und Landkonflikten beteiligt. 

Trotz vieler Missstände in Bezug auf die Siegel gilt jedoch: die Entscheidung für ein zertifiziertes Palmöl ist besser als die für herkömmliches Palmöl! 


Dinge, die Du und ich im Alltag umsetzen können, um nachhaltiger, gesünder und umweltbewusster zu leben und Palmöl bewusst zu konsumieren

  • möglichst frisch, unverarbeitet, saisonal und heimisch einkaufen
  • verzichte, wenn möglich, auf tierische Produkte oder auf tierische Produkte aus der Massentierhaltung, denn ca. 8% des nach Deutschland importierten Palmöls fließt in die industrielle Zucht 
  • im Zutatenverzeichnis auf die Bezeichnungen „Palm“, „Palmöl“ oder „Palmfett“ achten
  • Kosmetika mit Palmstearin, Glyceryl Palmitate, Palm Kernel Alcohol, Isopropyl Palmitate und Sodium Palmitate meiden
  • Zertifiziertes Palmöl oder Bio- und Fairtrade-Siegel beachten
  • Benutze häufiger das Fahrrad oder gehe zu Fuß, um den Verbrauch von Kraftstoffen zu senken (ca. 65% des in die Europäische Union importierten Palmöls wird für energetische Zwecke verwendet) 

Zu guter Letzt gilt: der Austausch eines Rohstoffs durch einen anderen leistet keinen entscheidenden ökologischen Beitrag. Auch der Einsatz anderer Fette kann sowohl gesundheitliche als auch ökologische Folgen haben. Darüber hinaus benötigen andere Ölsorten mehr Anbaufläche, weshalb es nicht immer sinnvoll ist, Palmöl komplett zu ersetzen. Zur Lösung unserer Nachhaltigkeitsprobleme muss sich in nächster Zeit vor allem unser Konsumverhalten ändern.

Mit kleinen Änderungen im Alltag, können wir zum Schutz der Arten und Entgegensteuern des Klimawandels beitragen! 


Falls du nun noch mehr Input zum Thema Nachhaltigkeit und Alltagstipps bekommen möchtest, schaue hier im AFFENZIRKUS Podcast vorbei! 

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