Soja – Was ist das überhaupt genau?

Die Sojapflanze gehört zu den Hülsenfürchten und weltweit zu den wirtschaftlich bedeutendsten Ölpflanzen. Je nach Sorte erscheinen ihre Bohnen in verschieden Farbtönen: ob weiß, gelb, grün, braun, violette oder schwarz – wie ihr Nutzfaktor ist auch das Erscheinungsbild sehr vielfältig.

Die Sojapflanze hat ihren Ursprung eigentlich in den tropischen und subtropischen Gebieten, liebt daher hohe Temperaturen und hat einen großen Wasserverbrauch. Durch Neuzüchtungen ist sie jedoch seit einigen Jahren auch in den gemäßigten Zonen, also bei uns, immer mehr anzutreffen.


Welche Produkte beinhalten Soja und was macht es so beliebt?

Die Sojabohne ist besonders beliebt aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts. Der Eiweißgehalt liegt laut Bundesagentur für Ernährung in getrockneten Bohnen bei ca. 40%, in verzehrfertigen Sojaprodukten bei ca. 11%. Neben einem hohen Eiweißgehalt bietet Soja noch weitere gesunde Bestandteile: Vitamin E, Vitamin B, Mineralstoffe wie Magnesium und Spurenelemente wie Eisen, sowie eine Menge ungesättigte Fettsäuren, darunter auch Omega-3-Fettsäuren.

Die Bohne der Sojapflanze erfreut sich daher steigender Beliebtheit und ist vielfältig einsetzbar:

Soja als Futtermittel
  • knapp 80% der weltweit angebauten Sojabohnen werden in Form von Sojaschrot in der Tiermast eingesetzt
  • Schweine, Rinder, Geflügel und Fische – für sie alle stellt das Sojaschrot einen wichtigen Bestandteil des Futters da
  • mit dem steigenden Fleischkonsum stieg die letzten Jahre auch die Nachfrage nach der Sojabohne, was ihr allgemein den Namen der „Superbohne“ verschaffte
Soja als Nahrungsmittel
  • ca. 6% der globalen Sojaernte werden als Lebensmittel verzehrt (vor allem in Asien)
  • für Veganer*innen stellen Soja und Sojaprodukte eine nährstoff- und eiweißreiche Alternative zu tierischen Produkten, Fleisch oder Fleischerzeugnissen dar
  • Edamame, Miso, Seidentofu/ Tofu, Sojajoghurt, -milch, - mehl, und -drinks, Sojaöl, Sojasoße und Sojanüsse sind nur einige der Produkte, die aus Soja bestehen bzw. gewonnen werden
Weitere Produkte, die Soja enthalten

Verwendung von Sojaöl zur Herstellung von: 

  • Biodiesel
  • Kosmetik- und Körperpflegemitteln

Wie gesund ist Soja wirklich?

Wie Du bestimmt schon mitbekommen hast, steht Soja trotz der guten Nährwerte immer wieder in der Kritik. Die Sojabohne enthält, wie Beispielsweise auch Kichererbsen oder Linsen in geringen Mengen, Isoflavone. Isoflavone sind Stoffe, die dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen ähneln. Sie stehen unter dem Verdacht, eine „hormonell aktivierende Wirkung“ zu haben, das heißt, sie können an die gleichen Östrogenrezeptoren binden und dadurch dieselben Prozesse aktivieren wie Östrogene. Studien (vor allem aus Asien) haben jedoch ergeben, dass der normale Sojakonsum für einen gesunden Menschen kein Gesundheitsrisiko darstellt. Grundsätzlich ist es jedoch ratsam, auf Abwechselung zu achten und Milch- und Fleischprodukte nicht ausschließlich durch Sojaprodukte zu ersetzen.

Für wen sich Soja weniger eignet:
  • Menschen mit hormonell bedingten Erkrankungen sollten ihre Ernährung ärztlich abklären
  • auf die Nutzung von herkömmlichen Sojagetränken als Säuglingsnahrung sollte verzichtet werden, da sie nicht auf die Bedürfnisse von Säuglingen zugeschnitten sind und die langfristige Wirkung eines erhöhten Konsums von Isoflavonen auf Säuglinge nicht ausreichend erforscht ist
  • von einem erhöhten Konsum von Isoflavonen in Nahrungsergänzungsmitteln wird abgeraten, da auch hier die wissenschaftliche Studienlage sehr begrenzt ist

Im Zweifel gilt: 

Frag bei Unsicherheiten in Bezug auf deine Ernährung deinen Arzt oder deine Ärztin!


Welche Folgen hat der Anbau von Sojabohnen für 

Natur und Tiere?

In den letzten 50 Jahren (Stand 2014) wurde die Sojaproduktion von 27 Millionen Tonnen auf 269 Millionen Tonne gesteigert, dies entspricht einem Zuwachs um das Zehnfache (WWF). Die Gesamtfläche, die inzwischen für den Anbau von Sojapflanzen benötigt wird, entspricht in etwa einer Gesamtfläche von Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden zusammen. Da die Nachfrage nach Soja stetig steigt, was vor allem unserem zunehmenden Fleischkonsum geschuldet ist, wird auch immer mehr Land für den Anbau benötigt. Mit dem übermäßigen Anbau gehen eine Reihe negativer Folgen einher:

Ökologische Folgen
  • Verlust der Biodiversität
  • Gewässerverschmutzung durch den Gebrauch von Pestiziden und Dünger
  • Bodenerosion
  • Zerstörung wichtiger Wälder und Savannen durch die Ausweitung der Anbauflächen. Betroffen sind vor allem: Cerrado (Brasilien) und Gran Chaco (Argentinien)
Soziale Folgen
  • Schlechte Arbeitsbedingungen
  • Schlechte Entlohnung der Arbeiter
  • Verletzung von Landrechten
  • Konflikte um Landrechte
Einsatz von Gentechnik
  • mithilfe der Gentechnik versucht die Agrarindustrie die Sojapflanze für ihre Zwecke zu optimieren
  • während z.B. das Totalherbizid „Glyphosat“ Unkraut und alle anderen Pflanzen radikal vernichtet, überleben die genmanipulierten Sojapflanzen
  • in Lateinamerika stammen bereits über 2/3 der Bohnen von transgenen Pflanzen

Worauf sollten wir bei der Nutzung von 

Sojaprodukten achten?

Dinge, die Du und ich im Alltag umsetzen können, um nachhaltiger, gesünder und umweltbewusster zu leben:

  • verwende vor allem Sojaprodukte aus dem europäischen Raum: Sojabohnen dürfen hier gentechnisch nicht verändert werden und haben aufgrund der kürzeren Transportwege einen geringeren ökologischen Fußabdruck
  • verwende Soja mit Siegeln der folgenden drei Zertifizierungssystem: RTRS (Round Table on Responsible Soy, Proterra und Bio-Soja (der Marktanteil aller drei Zertifizierungssysteme beträgt allerdings nur knapp 3%)
  • verzichte wenn möglich auf Fleisch oder Fleischprodukte oder versuche deinen Konsum zu reduzieren
  • kaufe regional und saisonal ein
  • plane deinen Einkauf und versuche möglichst wenig zu verschwenden
  • versuche das Auto öfter stehen zu lassen und lieber das Fahrrad oder den Bus zu nehmen oder kleine Strecken auch zu Fuß zurückzulegen

Zur Lösung unserer Nachhaltigkeitsprobleme muss sich in nächster Zeit vor allem unser Konsumverhalten ändern! Kleine Schritte sind dabei wichtiger, als Perfektion. Zu begreifen, wie wir uns in den Kreislauf des Tier- und Primatenschutzes einreihen können, ist von großer Bedeutung für den Gesunderhaltung des Ökosystems und des Planeten.


Wenn du mehr über das Thema erfahren möchtest, dann schau gerne in die vorherigen Blogbeiträge rein: Segen und Fluch des Palmöls, Abholzung des Regenwaldes, und wie unser Technikkonsum das Leben der Primaten beeinflusst. 

Außerdem kannst du dir im AFFENZIRKUS Podcast passende Alltagstipps zum Primatenschutz anhören: Veränderung statt Perfektion - How to change the world.

Viel Spaß beim Lesen und Hören!